Die Gänse im Loki-Schmidt-Garten – Ergebnisse einer MasterarbeitAG Netzwerkökologie der Tiere
18. Dezember 2025

Foto: BGHamburg/Weiss
Wildlebende Gänsepopulationen haben in Deutschland deutlich zugenommen. Von natürlichen Feuchtgebieten weichen Grau- und Kanadagänse heutzutage auch zunehmend auf städtische Grünanlagen aus. Auswirkungen davon wurden nun im Zuge einer Masterarbeit im Loki-Schmidt-Garten untersucht.
Text: Elisa Weiss
In den vergangenen Jahrzehnten haben wildlebende Gänsepopulationen in Deutschland deutlich zugenommen. Von natürlichen Feuchtgebieten weichen Grau- und Kanadagänse heutzutage auch zunehmend auf städtische Grünanlagen aus.
Im Rahmen der Masterarbeit wurden die raumzeitliche Nutzung und die ökologischen Auswirkungen von Graugänsen (Anser anser) und Kanadagänsen (Branta canadensis) im Loki-Schmidt-Garten Hamburg untersucht. Der botanische Garten bietet durch seine Kombination aus offenen Wiesenflächen und Gewässern einen attraktiven Lebensraum für Gänse und damit ideale Bedingungen für eine solche Untersuchung.
Ziel der Arbeit war es, zu erfassen,
(1) wie Grau- und Kanadagänse den Garten räumlich und zeitlich nutzen,
(2) welchen Einfluss ihre Anwesenheit auf Vegetationshöhe, Biomasse und Vegetationszusammensetzung hat und
(3) ob durch Gänsekot die Nährstoffzusammensetzung des Bodens beeinflusst wird.
Ergebnisse:
Die Gänse hielten sich bevorzugt in unmittelbarer Nähe zu Gewässern und offenen Wiesen auf. Bereits wenige Meter Abstand zum Wasser führten zu einem starken Rückgang der Beobachtungen. Kleine, von Gehölzen umgebene Teiche oder sehr schmale Gewässer wurden hingegen kaum genutzt. Neben der räumlichen Struktur spielten auch Tageszeit und Temperatur eine Rolle. Morgens und bei höheren Temperaturen war die Wahrscheinlichkeit am höchsten, dass sich die Tiere am Wasser aufhielten.
Währenddessen schwankte die Anzahl der anwesenden Gänse im Untersuchungszeitraum deutlich. Hohe Bestände im Frühjahr gingen während der Brutzeit zurück, stiegen zur Mauserzeit erneut an und nahmen zum Sommer hin wieder ab. Temporäre Störungen zeigten ebenfalls Auswirkungen auf das Verhalten der Gänse: Über mehrere Wochen war ein großes Zelt auf einer der Wiesen aufgebaut. Während dieser Zeit wurde die entsprechende Wiese von den Gänsen vollständig gemieden, nach dem Abbau jedoch wieder genutzt.

Durch die Anwesenheit war die Vegetation im Mittel niedriger und die oberirdische Biomasse geringer als ohne Gänse. Die Pflanzen konnten sich jedoch nach Phasen geringerer Nutzung rasch erholen und wuchsen auf dieselbe Höhe, wie die Pflanzen ohne Fraß, auf. Hinweise auf dauerhafte Schäden ergaben sich demnach nicht.

Entgegen der Erwartung zeigten sich im Boden keine Unterschiede in der Nährstoffzusammensetzung in von Gänsen genutzten Bereichen. Die durch den Kot eingebrachten Mengen waren insgesamt gering. Der Kot selbst wies jedoch im Verlauf des Untersuchungszeitraums deutliche Veränderungen in seiner Nährstoffzusammensetzung auf, was die enge Kopplung zwischen Nahrung, Kot und Nährstoffkreisläufen verdeutlicht.
Schlussfolgerungen:
Die Ergebnisse zeigen, dass der Loki-Schmidt-Garten für Gänse ein attraktiver, aber zu Zeiten unterschiedlich stark genutzter Lebensraum ist. Die ökologischen Auswirkungen sind lokal begrenzt und reversibel. Akuter Handlungsbedarf besteht derzeit nicht. Gleichzeitig liefern die Ergebnisse Ansatzpunkte für ein zukünftiges Management: Durch Mahd-Strategien, die Gestaltung von Gewässerrändern oder gezielte Vergrämungsmaßnahmen lässt sich die Nutzung bestimmter Flächen steuern, ohne die Tiere grundsätzlich zu verdrängen.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Gänse auch in städtischen Grünanlagen eine ökologische Rolle spielen. Sie verbinden Wasser- und Landlebensräume, beeinflussen Vegetation und tragen zu kleinräumigen Nährstoffflüssen bei. Damit sind sie nicht nur sichtbare Besucher, sondern aktive Mitgestalter urbaner Ökosysteme.
Foto: F. Duhn