Tagung der Alpinen- und Staudengärtner im Verband der Botanischen Gärten
14. Juli 2025

Foto: Mirko Marzke
Im Juli 2025 haben die Gärtnermeisterin Sara Thomsen und Gärtner Mirko Marzke, zusammen mit 16 weiteren Kollegen aus 12 Botanischen Gärten in Deutschland und Österreich, am Treffen der Alpinen- und Staudengärtner in Halle an der Saale teilgenommen. Hier ist ihr Bericht.
Text: Mirko Marzke und Sara Thomsen
Fotos: Mirko Marzke
Halle ist mit rund 220.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Sachsen-Anhalts. Sie liegt in der trockensten Region Deutschlands. Bedingt durch den Regenschatten des Harzes fallen durchschnittlich nur etwa 615 mm Niederschlag im Jahr (vergl. Hamburg: 744 mm).
Als Tagungsort diente in diesem Jahr ausnahmsweise nicht der Botanische, sondern der Zoologische Garten. Tagungsschwerpunkte waren die Felsspaltengärten des Zoos in Halle und die Versuchspflanzungen der Hochschule Anhalt in Köthen / Bernburg (Exkursion) am ersten Tag, ein Besuch zweier Naturschutzgebiete im Saaletal am zweiten sowie der Besuch des Botanischen Gartens Halle am letzten Tag.

Der hallenser Zoo liegt auf einem 130 Meter hohen, ursprünglich als Weinberg genutzten, dann in einen Englischen Landschaftspark und schließlich in ein Tiergehege umgestalteten Berg. Teil der Grünanlagen sind die großzügig angelegte Felsspaltengärten.
Die in Hanglage steil ansteigenden, durch Weinbergsmauern gestützten Beete weisen einen 3-schichtigen Aufbau (Unterschicht: Rasenerdegemisch, Oberschicht: Dachgartensubstrat, Mulchschicht: Porphyrschotter) zwischen senkrechten Platten aus regionalem Porphyr auf. Die Bepflanzung besteht im Wesentlichen aus Sempervivum, Delosperma und Kakteen.

Auf dem Gelände der Hochschule Anhalt in Köthen stellte der Fachbereichsleiter Prof. Dr. Wolfram Kircher die Entwicklung pflegeleichter, trockenheitsresistenter, naturnaher Staudenmischpflanzungen vor. Unterschiedliche Niederschlagsverhältnisse werden dabei durch Abdeckung und gesteuerte Bewässerung simuliert. Ein weiterer spannender Forschungsschwerpunkt ist die Entwicklung kosten- und pflegereduzierter Living Walls (Pflanzungen auf senkrechten Substratträgern an Gebäudewänden). Sie dienen der Ästhetik, der Verbesserung des Umgebungsklimas, der Gebäudekühlung im Sommer, der Gebäudeisolierung im Winter sowie der Feinstaubbindung.
Entwickelt wurden 15 cm tiefe Module mit einer Schichtung aus Styroporplatten, Aluminiumplatten, einer Verrohrung, einem Torfmoos-Bimskies-Gemisch, einer Torfmoosabdeckung und einem Metallgitter (von hinten nach vorne). Das Wasser in der Verrohrung dient dem Temperaturausgleich. Die Bewässerung erfolgt rückseitig über Mikroschläuche (2- bis 3-mal/Woche). Die Bepflanzung besteht aus xerophytischen Gattungen, im Wesentlichen Sempervivum, Delosperma, Kakteen und Orostachys spinosa (Sternwurz, siehe auch Titelbild), einer surreal anmutenden, rosettenbildenden Sukkulente aus der Mongolei.

Am zweiten Tag besuchten wir die Naturschutzgebiete „Lunzberge“ und „Porphyrlandschaft bei Brachwitz“. Sie werden geprägt durch abgerundete Felskuppen aus vulkanischem Porphyr mit einer teilweisen Auflage aus angewehtem kalkhaltigem Löß. Typische Lebensräume sind Trocken- und Halbtrockenrasen, einzelne trockene Gebüsche sowie Ruderalfluren auf Ackerbrachen am Fuße der Kuppen. Während die meisten Arten, wie Anthericum liliago (Traubige Graslilie), Stachys recta (Aufrechter Ziest), Euphorbia cyparissias (Zypressen-Wolfsmilch) oder Filipendula vulgaris (Kleines Mädesüß), zum besuchten Zeitpunkt bereits verblüht waren, und nur anhand ihrer Blätter und Samenstände zu erkennen waren, befanden sich Centaurea stoebe (Rispen-Flockenblume), Falcaria vulgaris (Sichelmöhre), Eryngium campestre (Feldmannstreu) und Campanula glomerata (Knäuelglockenblume) noch in Blüte. Mit ihren „schleierkrautartigen“, weißen Blütenständen fällt die Sichelmöhre in der Region auch an trockenen Wegrändern und Eisenbahndämmen auf. Sie kann eindrucksvolle Bestände bilden.

Den Botanischen Garten der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg lernten wir am dritten Tagungstag kennen. Der aus dem 1698 gegründeten hallenser Medizinalgarten hervorgegangene Botanische Garten beherbergt auf 4,5 ha Fläche etwa 12.000 Pflanzenarten. Schwerpunkte sind neben den Gewächshäusern das Arboretum, die Steppenanlage, das Alpinum sowie die blütenreiche Etesienflur mit einjährigen Arten. Mit dem Tropenhaus von 1872, der Sternwarte von 1788, dem alten Baumbestand sowie verschiedenen Themengärten entwickelt der Botanische Garten Halle den besonderen Reiz eines historischen Sammlungs- und Forschungsgartens.
Abschließend hervorgehoben sei eine spannende, artenreiche, im Juli sehr attraktive Ruderalvegetation auf dem Betriebsgelände des Botanischen Gartens. Nach einem Massenauftreten von einjährigem Papaver rhoeas (Klatschmohn) im ersten Jahr dominierten im zweiten Jahr auf der ursprünglich für Versuche vorgesehenen, abgemagerten Fläche zwei- und mehrjährige Arten, darunter Daucus carota (Wilde Möhre), Echium vulgare (Gewöhnlicher Natternkopf), Reseda luteola (Färber-Wau), Tanacetum vulgare (Rainfarn) und das im Raum Halle stark verbreitete Cichorium intybus (Wegwarte). Auch Arten, die sich auf dem Weg zum Kompost versamt hatten, wie Campanula alliariifolia (Knoblauchraukenblättrige Glockenblume), gehörten dazu.