Neue Publikation über den Wildtierhandel in Angola
27. August 2025

Foto: Lunis Bolognino de Orth
Ein Forschungsteam, dem auch Dr. Thea Lautenschläger, Wissenschaftliche Leitung des Botanischen Gartens Hamburg, angehört, hat eine neue Studie veröffentlich, in der es um die Bedrohung von Angolas Artenvielfalt durch den Verzehr von Wildtierfleisch geht.
Die exzessive Nutzung von Wildtieren zur Bushmeat-Verwertung stellt eine bedeutende Bedrohung für die Biodiversität in Subsahara-Afrika dar, insbesondere in Angola, wo das Problem bisher weitgehend unerforscht ist. Diese Studie liefert den ersten Überblick über den regionalen Bushmeat-Handel in der Provinz Uíge sowie eine Analyse der Konsummuster im sozialen und wirtschaftlichen Kontext. Präsentiert werden Daten über die Artenvielfalt der gejagten Spezies und deren jeweilige Schutzstatus und die Quellen und Strukturen werden hervor gehoben, die diesem regionalen Handel zugrunde liegen.
Das Forscherteam führte qualitativ gehaltene Expertengespräche mit neun Bushmeat-Händlern aus vier Gemeinden und führte eine quantitative Verbraucherumfrage mit 204 Uíge-Bürgern durch. Über 60 % der Befragten konsumierten mindestens einmal pro Woche Bushmeat, und 23 % jagten regelmäßig, was darauf hinweist, dass diese Praxis tief in der Gesellschaft verwurzelt ist. Von den 16 in Uíge auf dem zentralen Markt verkauften Arten sind fünf auf der IUCN-Rotliste als bedroht oder nahezu bedroht eingestuft, was die Notwendigkeit von Kontrollmaßnahmen unterstreicht.
Große Teile der Bevölkerung betrachten den Bushmeat-Konsum als festen Bestandteil ihrer Kultur, doch unsere Ergebnisse zeigen, dass jüngere und besser gebildete Angolaner sich zunehmend von diesen Traditionen entfernen und seltener traditionell jagen. Diese Erkenntnisse legen nahe, dass der Zugang zu umfassender Bildung und umweltverträglichen Lebensgrundlagen entscheidend ist, um die nicht nachhaltige Nutzung der Wildtierressourcen zu verringern.
Eine Kurz-Zusammenfassung zur neuen Publikation findet sich zum Beispiel auf der Seite des Senckenberg Instituts:
"Angola: Wildtierhandel bedroht Artenvielfalt und Gesundheit"
Die gesamte Publikation lässt sich hier lesen und downloaden:
"Socio-economic drivers of bushmeat consumption in the northern Angolan province of Uíge"
Dr. Thea Lautenschläger forscht seit vielen Jahren in Angola. Aus dieser Arbeit sind bereits verschiedene Publikationen entstanden, beispielsweise die Buchreihe „Riquezas Naturais de Uíge (Natürlicher Reichtum Uíges)“.
Aktuell findet ein enger Austausch zwischen dem Botanischen Garten Hamburg und dem Botanischen Garten in Angola statt. Ziel ist eine Kooperation und Partnerschaft zwischen den beiden Institutionen. Einen Artikel dazu gibt es HIER.